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Seit Mitte der 90er butterten die Städte Welzow, Spremberg und der Landkreis Spree-Neiße Jahr für Jahr sechsstellige Zuschüsse in den kleinsten Verkehrslandeplatz Brandenburgs. 2012 soll Schluss sein. Warum so spät? Zeit für eine Bilanz.
Er sollte vieles sein: Ein Wirtschaftsfaktor, Touristenmagnet, Hoffnungsanker. Doch am Ende war der Flugplatz Welzow in Brandenburg doch nur eins: ein Millionengrab für Steuergelder. Seit Mitte der 90er Jahre haben die Stadtväter von Welzow und Spremberg und auch der Landkreis sechsstellige Zuschüsse in den „kleinsten Verkehrslandeplatz Brandenburgs"gebuttert. Nun ist wohl bald Schluss damit. André Kartschall.
Es hätte alles so schön werden sollen: das kleine Welzow, der 4.000-Seelen-Ort, die „Stadt am Tagebau“, wie sie sich selbst nennt. Welzow also – wollte sich ein Tor zur großen weiten Welt bauen. Die Idee: ein eigener Flughafen! Der alte Militärflugplatz – nach dem Abzug der Roten Armee ungenutzt – sollte Welzow ganz nach vorn bringen. Kurz nach der Wende träumte man hier von Industrie, Tourismus und Gewerbeansiedlungen.
Um die blühenden Landschaften zu erschaffen, ließ man sich nicht lumpen: eine neue Landebahnbefeuerung, ein eigenes Empfangsgebäude inklusive dem „Café Concorde“ – und vor allem ein Personalstab, der sich sehen lassen konnte: Geschäftsführer, Flugleiter, Sekretärin, technische Mitarbeiter: Schließlich wollte man genauso professionell sein wie ein „richtiger“ Flughafen. Alles nicht billig, aber man wollte ja groß raus kommen.
Uwe Rogin, Flughafenchef, 8.2.2006
„Wir sehen uns im Besonderen in der Region als Luftverkehrsanbindung für wichtige Standorte.“
Detlef Pusch, stellvertretender Bürgermeister Welzow, 8.2.2006
„Ich denke, der Welzower steht durchweg positiv zu seinem Flugplatz.“
Michael Haidan (CDU), Vorsitzender Kreistag Spree-Neiße, 8.2.2006
„Wir wollen, dass der Flugplatz sich positiv entwickelt.“
Doch der Traum zerplatzte. Von Beginn an machte der Flughafen Miese. Wie viel das ganze Abenteuer genau gekostet hat, kann heute niemand mehr sagen. Bei den Gesellschaftern des Flugplatzes, den Städten Welzow, Spremberg und dem Landkreis Spree-Neiße sind die Unterlagen nach all den Jahren nicht mehr komplett verfügbar. Vorsichtige Schätzungen gehen aber von mindestens 2,8 Millionen Euro öffentlichen Zuschüssen seit 1993 aus.
Dabei hatte es anfangs noch geheißen: Das Geschäft sei eigentlich eine sichere Sache. So verkündete es der Aufsichtsratsvorsitzende damals in der Zeitung.
KLARTEXT
„Lausitzer Rundschau …"
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Ja."
KLARTEXT
„… Frühjahr 1993, Frank-Michael Schober: „‚Wir riskieren dabei nicht viel'."
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Das ist richtig, dazu stehe ich nach wie vor."
KLARTEXT
„Wie haben Sie das gemeint?"
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Na, wir werden auf jeden Fall nicht riskieren, dass wir dort in ganz erheblichem Umfang Geld investieren müssen oder das wir dort in Verpflichtungen genommen werden, die nicht mehr überblickbar sind."
KLARTEXT
„Wie nennen Sie denn mehrere hunderttausend Euro, die Sie da investieren mussten?"
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Das ist über die ganzen Jahre passiert. Und ich sage es mal ganz deutlich: Es gibt Zwecke, wo Geld ausgegeben wird, was weitaus sinnloser ist als so was. In meinen Augen zumindestens."
Na prima!
Im Landkreis, der auch Gesellschafter ist, mag man sich dieser Logik allerdings nicht anschließen. Landrat Harald Altekrüger überwies zuletzt jedes Jahr Zuschüsse im fünfstelligen Bereich.
Harald Altekrüger (CDU), Landrat Spree-Neiße
„Über die letzten zehn Jahre haben sich dort immerhin um die 600.000 Euro summiert. Und in der Situation, da das eine freiwillige Leistung ist, sind wir nicht mehr in der Lage und müssen solche Aufgaben auf den Prüfstand stellen.“
Der Landrat will das „Abenteuer Flugplatz“ so schnell wie möglich beenden. Das hat er den anderen Gesellschaftern auch vorgeschlagen. Doch nicht alle ziehen mit. Birgit Zuchold, Bürgermeisterin der Stadt Welzow, die ebenfalls Gesellschafterin ist, will den Flugplatz angeblich doch noch möglichst lange behalten. Ein Interview dazu wollte sie uns leider nicht geben.
Und auch in Spremberg hält einer weiter eisern am Flughafen fest: Frank-Michael Schober. Kein Wunder, ist der Flugplatz doch vor allem sein Werk. Schober trägt gleich in mehreren Funktionen Verantwortung für das Projekt:
- als Stadtverordneter der Stadt Spremberg
- als langjähriger Aufsichtratsvorsitzender der Stadtwerke Spremberg, die ebenfalls Anteile am Flugplatz halten
- und eben als Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatz GmbH.
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Aus meiner Sicht hat der Flugplatz schon eine Zukunft. Es ist eine öffentliche Infrastruktur, die für die Benutzung für jedermann zur Verfügung steht."
KLARTEXT
„Für jedermann mit nem Flugzeug."
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Ja, natürlich jedermann, der ein Flugzeug hat."
KLARTEXT
„Das sind ja nicht so viele."
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Das würde ich relativ sehen. Sie haben, wenn man 5.000 Flugbewegungen pro Jahr zustande bekommt, eigentlich schon doch das Zeichen dafür, dass der Platz doch angenommen wird."
Doch egal, wie viele Flugbewegungen es gab, der Platz machte immer Verluste. Musste Spremberg als Gesellschafter 1993 umgerechnet noch gut 17.000 Euro zuschießen, waren es 2010 fast 45.000 Euro, also rund zweieinhalb Mal so viel. Der Aufsichtsratsvorsitzende setzt dennoch weiter darauf, Geld in den Flugplatz zu pumpen. Irgendwann müssen die Investoren ja schließlich kommen.
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Damit kann man – wenn man genügend Gewerbe ansiedeln kann – sicherlich auch ne schwarze Null erreichen.“
KLARTEXT
„Sie haben es jetzt 18 Jahre lang nicht geschafft – was macht Sie so zuversichtlich?“
Frank-Michael Schober (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Flugplatz GmbH Welzow
„Ja, Sie haben Recht. Wir haben’s 18 Jahre lang nicht geschafft. (…) Aber ich denke schon, wenn man den Investoren auch Zukunft gewährleisten kann – 20 Jahre – dann wird der ein oder andere sich auch dafür entscheiden, dort hinzugehen.“
Also einfach noch einmal zwei Jahrzehnte warten und munter weiter bezuschussen? Schobers Zukunftsvision hat leider eine kleine Schwachstelle: In ziemlich genau 20 Jahren nämlich wird der Flugplatz aller Voraussicht nach vom Tagebau weggebaggert.
In Spremberg, Welzow und dem Landkreis werden die jeweiligen Abgeordneten in den nächsten Wochen nun darüber abstimmen, ob die Zuschüsse an den Flugplatz eingestellt werden oder nicht.
Beitrag von André Kartschall
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_09_11/scheitern_nach_18.html