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Mi 24.08.11 22:15

Buschkowsky im Visier der Spaßguerilla – Wer veräppelt Neuköllns Bürgermeister?

Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky inszeniert sich gern als Mann der deutlichen Worte. Eine Steilvorlage für ein linke Spaßguerilla-Truppe: Unter dem Namen „Buşkowsky-Jugend“ nimmt sie den SPD-Mann aufs Korn – angeblich, ohne mit anderen Parteien zu tun zu haben. KLARTEXT hat recherchiert, ob das stimmt.

Tierbabys für den Wahlkampf? Das käme ihm ganz sicher nie in den Sinn: Heinz Buschkowsky, Reizfigur und Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, zeigt gerne klare Kante. Erst recht jetzt im Wahlkampf, wo er als Frontmann der SPD in Neukölln kandidiert. Eine seltsame Aktivistengruppe aus dem linken Spektrum hat jetzt die sogenannte „Buschkowsky-Jugend" gegründet, die mit Politsatire den SPD-Mann angeht. Aber: Warum das alles unter Pseudonym? Wer steckt dahinter? André Kartschall hat eine interessante Spur entdeckt.

Vergangenen Sonntag in Berlin-Neukölln. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky gut gelaunt auf dem Weg zu einem PR-Termin.

Der Ort: ein Biogroßhändler im Ortsteil Britz. Ökobrote packen, die dann an Schulkinder verteilt werden. Buschkowsky macht mit - am Prominententisch. Doch kaum hat der Bürgermeister die ersten Stullen in die Hand genommen, wird er von merkwürdigen Gestalten auf die Bühne gebeten. Die beschenken Buschkowsky mit deutschen Kartoffeln. Eine Anspielung auf das Phänomen, dass deutsche Kinder laut Buschkowsky auf dem Schulhof oft als „Kartoffel" beschimpft werden.

Aktivist
„Und wir freuen uns, wenn Sie in jede dieser Brotdosen auch mal eine Kartoffel tun heute, ja?!"
Aktivisten
„Buschkowsky!"

In jede Brotdose eine Kartoffel, so die Forderung der selbst ernannten „Buşkowsky -Jugend“.

Aktivisten
„Buschkowsky - voran!"

Polit-Aktionismus zwischen Anarcho-Humor und Dada. Buschkowsky nimmt's locker.

Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister Berlin-Neukölln
„Ich staune, dass die Piraten sich zu meiner Anhängerschaft dazugesellt haben. Aber niemand will halt einsam sein, nicht war? Und von daher: herzlich willkommen!"

Der Bürgermeister lässt sich von den vermeintlichen „Piraten" nicht aus der Ruhe bringen. Doch als wir ein Interview mit dem Sprecher der Gruppe führen wollen, unterbricht uns der Chef des Öko-Handels und setzt die „Buşkowsky-Jugend“ vor die Tür. Deren Sprecher gibt uns dann ein Interview - allerdings nur unter Pseudonym. Er nennt sich „Hans-Peter Gençlik".

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„Da drin vermuteten die Leute, dass sie zur Piratenpartei gehören. Gehören Sie denn zur Piratenpartei?"
„Hans-Peter Gençlik", „Buşkowsky-Jugend"
„Mit der Piratenpartei haben wir nichts zu tun. Wir sind eine Bewegung und wir wollen Heinz Buschkowsky unterstützen. Und das ist unser Ziel. Mit anderen Parteien haben wir nichts zu tun."

Mit anderen Parteien nichts zu tun? Wirklich? Auch auf der Homepage der „Buşkowsky-Jugend" bleibt unklar, wer dahintersteckt. Die Seite: eine wilde Sammlung nicht ganz ernst gemeinten Forderungen - und deftigen Buschkowsky-Zitaten. Die sind allerdings echt.

So wird beispielsweise aus dem berühmten:
„Multikulti ist gescheitert!" - „Kartoffelmonokulturen sind der Weg aus der Misere! Monokulti statt Multikulti! Bio-Brotdosen zuerst für Bio-Deutsche."

Sarah Speck, Sympathisantin „Buşkowsky-Jugend"
„Was die ‚Buşkowsky-Jugend' macht, ist offensichtlich Ironie. Also, sie hebt einzelne Aussagen von Buschkowsky hervor, sucht sich Zitate raus und versucht die zu überspitzen und daraus groteske Forderungen zu entwickeln und dadurch sichtbar zu machen, welches Gesellschaftsbild dahinter steht und was Buschkowsky eigentlich mit der Politik will."
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„Was will er denn eigentlich?"
Sarah Speck, Sympathisantin „Buºkowsky-Jugend"
„Was er tut, zumindest als Erklärung für soziale Zusammenhänge, ist, er macht 'ne Schuldzuweisung an sozial Benachteiligte. Also das heißt, er sagt sozial Benachteiligten, beispielsweise Migrationskindern oder Hartz-IV-Empfängern, dass sie selbst schuld an ihrer Lage seien."

So jedenfalls die Interpretation der „Buşkowsky-Jugend“.

Anfang der Woche ging der Spuk in Neukölln weiter. In der Nacht von Montag zu Dienstag entfernten Unbekannte die Flagge der Neukölln Arcaden, wie diese uns zugespielten Bilder zeigen. Das Gebäude wurde provisorisch umbenannt - in „Buşkowsky-Basar".

Unsere Recherchen haben derweil ergeben: Die Spur der „Buşkowsky-Jugend“ führt nach Mitte - in den Deutschen Bundestag. Im Büro der Abgeordneten Katja Kipping von der Partei Die Linke. arbeitet der Sprecher der Guppe, Hans-Peter Gençlik - hier allerdings unter seinem bürgerlichen Namen Stefan Gerbing.

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„Guten Tag. Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe. Sind Sie der Herr Gençlik?"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Ja, bin ich. In der Tat."
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„Sie sind Herr Gençlik?"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Ja."
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„Althammer mein Name, vom Rundfunk Berlin-Brandenburg. Wir haben mal 'ne Frage. Warum treten Sie denn eigentlich unter 'nem anderen Namen auf?"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Tatsächlich, weil mein Arbeitsplatz hier nichts mit dem zu hat mit dem, was ich privat mache. Also, ich bin tatsächlich in keiner Partei und sozusagen das, was ich hier mache, hat mit meinem Arbeitgeber nichts zu tun und … ja …"
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„Weiß denn Ihr Arbeitgeber, dass Sie …"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Nein."
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„… unter 'nem falschen Namen agieren?"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Nein, weiß sie nicht."
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„Ist das nicht eigentümlich, wenn man im Bundestag arbeitet und dann solche Aktionen gegen Mitglieder einer anderen politischen Partei fährt?"
Stefan Gerbing, alias „Hans-Peter Gençlik"
„Ich würde das gerne abbrechen und sozusagen mit meiner Arbeitgeberin auch noch mal drüber sprechen, weil …"

… weil es vielleicht problematisch ist, wenn ein Mitarbeiter einer Abgeordneten der Partei Die Linke. unter Pseudonym eine skurrile Wahlkampfkampagne gegen einen SPD-Bezirksbürgermeister führt?

Auf unsere Frage, wie Frau Kipping das sieht, antwortet sie uns:

Zitat
„… mit den Aktivitäten der 'Buşkowsky-Jugend' habe ich nichts zu tun. (…) Insofern äußere ich mich grundsätzlich nicht zu Tätigkeiten meiner MitarbeiterInnen jenseits ihrer Erwerbsarbeit."

Ob die „Buşkowsky-Jugend“ „jenseits ihrer Erwerbsarbeit" nun, nachdem ihr Versteckspiel aufgeflogen ist, mit offenem Visier weiterkämpfen wird, ist noch unklar.



Autor: André Kartschall

Dieser Text gibt den Sachstand vom 24.08.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_24_08/patriarch_buschkowsky.html

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