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rbbonline | Archiv

Der mobile Mensch braucht ein Fahrzeug - keine Frage. Gern mit einem bezahlbaren und sauberen Antrieb - auch das keine Frage. In Zeiten steigender Ölpreise und Angst um die Umwelt wird daher emsig nach neuen Antriebssystemen gesucht. Durch die Bank weg glauben nun alle politischen Parteien die Antwort gefunden zu haben. Sie heißt: E-Mobility! Angeblich sauber, billig und gut! Viel Geld wird daher in die Forschung gesteckt und Berlin versucht, sich zum Zentrum der neuen Technologie zu mausern. Aber lohnen sich die Investitionen von heute in die vermeintliche Super-Technik von morgen?
Der mobile Mensch - das ist das Motto der gerade laufenden ARD-Themenwoche. Klar, zur Mobilität gehört das Auto und das soll so umweltfreundlich wie möglcih sein. Und so setzen Politik und Wirtschaft neuerdings ganz auf das Elektroauto. Berlin und Potsdam wollen in Sachen Elektromobilität jetzt sogar als Modellregion Vorreiter werden. Doch sind die Hoffnungen, die sich an die neue, ach so umweltschonende Technologie knüpfen, berechtigt? Iris Marx.
Fünf Uhr morgens. Die Niederlassung des nordrhein-westfälischen Transportunternehmens Meyer & Meyer in Potsdam. Der Fahrer Thorsten Schlichting bereitet seine Fuhre in die Stadt Brandenburg vor. Sein LKW ist vollgetankt, mit Strom aus dem Stecker. Rund zehn Stunden hat das gedauert. Jetzt ist er einsatzbereit. Der Start, fast lautlos.
Thorsten Schlichting, Fahrer Meyer & Meyer
„Ick hab zu Anfang leichte Bedenken gehabt. So die Erfahrungen, die ich jetzt habe, die sind sehr, sehr positiv. Sehr leise, sparst Sprit, sollte man sich überlegen mal für die Zukunft weiter auszubauen."
Meyer & Meyer ist Teil eines Versuchsprojekts. Zwei der insgesamt elf LKW des Unternehmens fahren mit Strom. Die Erfahrungen sind gut. Auch wenn bei 65 km/h Schluss ist. Schnellfahren ist keine Option, um die Batterie zu schonen.
Denn nach der Belieferung der C&A-Filiale in Brandenburg mit neuer Ware muss der Fahrer noch zur Filiale am Ku' Damm. Insgesamt fährt er rund 160 Kilometer. So lange muss die Lithium-Ionen Batterie halten. Danach ist Schluss. Dafür ist eine gute Planung nötig. Aber es gibt noch einen weiteren Haken, erklärt der Niederlassungsleiter des Unternehmens:
A. Blumenthal, Meyer & Meyer
„Man kann sagen, dass die Mehrkosten für dieses Auto rund 200.000 Euro sind."
200.000 Euro kostet der Umbau dieses Fahrzeugs. Immerhin finanziert der Staat knapp die Hälfte des Versuchs. Auch normale PKW mit Elektroantrieb kosten noch doppelt so viel wie vergleichbare Modelle. Aber: Warum nicht, wenn es gut für die Umwelt ist? Wenn…Wenn der Strom für das Auto tatsächlich ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt. Aber ist das so?
Christian Lange, RWE
„RWE verspricht, dass das, was wir als Autostrom verkaufen, aus 100 EE hergestellt wird. Das ist Windenergie, das ist Biomasse."
Kritiker glauben das nicht. Denn rein faktisch ist der Strom aus der Steckdose bei dem Energiemix in Deutschland nie reiner Öko-Strom, daher sei der Strom aus der Steckdose auch nie CO2-frei, sagt etwa der Umweltexperte Dr. Axel Friedrich.
Axel Friedrich, Umweltexperte
„Die Leute glauben, sie bekommen ein Fahrzeug, was CO2- und abgasfrei ist. Dies ist in beiden Fällen nicht der Fall, denn sie haben Emissionen im Kraftwerk, nicht nur von CO2, sondern auch vom klassischem Schadstoff. Hier haben wir Emissionen nur verlagert vom Auspuff hin zum Kraftwerk, das löst die Probleme nicht."
Und wenn das so ist, dann ist auch die Klimabilanz solcher Fahrzeuge nicht mehr so überzeugend, denn Strom aus der Steckdose ist, auch wenn es den Anschein hat, nicht sauber. So wird beim Laden der Batterie sehr wohl CO2 emittiert, erklärt der Autoexperte von Greenpeace.
Wolfgang Lohbeck, Greenpeace
„Ein durchschnittliches Elektro-Auto nach dem Stand der Technik, wie etwa der Mini von BMW, stoßen 130 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das ist erheblich mehr als, ich nenne mal eine Marke, das, was ein normaler Golf Polo jetzt schon ausstößt. Die liegen unter 90. Ich sehe da überhaupt keinen Fortschritt."
Der Einfluss auf das Klima also fraglich. Allerdings ist bei den noch sehr hohen Preisen ohnehin nicht zu erwarten, dass das E-Auto schon bald den Massenmarkt erobert.
Die Abhängigkeit vom Öl - die wird den Autofahrern noch lange bleiben. Und selbst wenn die Preise runter gehen, selbst wenn das E-Auto massentauglich wird, dann gibt es schon das nächste Rohstoff-Problem - mit dem der Batterie.
KLARTEXT
„Wie sieht es mit dem Rohstoff Lithium aus?"
Wolfgang Lohbeck, Greenpeace
„Der ist sehr begrenzt. Der hält, wenn ich richtig informiert bin, da berufe ich mich auf das Frauenhofer Institut, nur noch für 30, 40, 50 Jahre. Große Schwankungen, aber man weiß auch nicht, wohin das mit dem E-Auto geht."
Dennoch wird es von allen Parteien in Berlin als große Chance gesehen. Warum? Der Bund finanziert Projekte wie das von Meyer & Meyer mit ganzen 80 Millionen Euro und Berlin hofft, ein großes Stück davon abzubekommen.
In einer Antwort des Wirtschaftssenators von Berlin heißt es daher nüchtern:
Zitat
„Die Elektromobilität ist kein kurzfristiges Allheilmittel."
Aber man hoffe auf "neue Arbeitsplätze" und "Fördermittel" des Bundes.
Prof. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
„Sicherlich gibt es auch wirtschaftliche Anreize, weil es ja die lokalen Infrastrukturanbieter, Energieanbieter auch Autohersteller sind, die eine Stadt unterstützen könnten. Berlin könnte davon profitieren."
Für Berlin also kein Umwelt- dafür vielleicht ein Geldsegen? Mehr Einnahmen können ja auch für ein gutes Klima in der Hauptstadt sorgen.
Autorin: Iris Marx
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_25_05/zauberwort_e_mobility.html