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Nach wochenlangem Lavieren entscheiden die Staaten der Euro-Region heute über die Zukunft Griechenlands. Die Rettung kommt spät. Was bedeutet das für Deutschlands Steuerzahler? Eine erste Einschätzung.
Den ganzen Tag über haben wir EU-Bürger gebannt auf den Griechenland-Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel geschaut. Und vor etwa einer halben Stunde liefen die Eilmeldungen über den Ticker: Das Hilfspaket steht. Es wird für die kommenden drei Jahre einen Umfang von 109 Milliarden Euro haben, heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels. Das Besondere daran: Zum ersten Mal beteiligt sich auch der private Sektor an den Kosten. Banken und andere Investoren sollen 37 Milliarden Euro mit. Wie einer der führenden deutschen Wirtschaftsepxerten diesen Tag erlebt hat, schildern Susanne Katharina Opalka und Detlef Schwarzer.
Heute Morgen, 9 Uhr: Professor.Christian Dreger auf dem Weg zur Arbeit. Er ist der Konjunkturexperte des DIW, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in Berlin. Ein spannungsgeladener Tag für den 52-Jährigen. Vom Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel erwartet er endlich einen kräftigen Schuldenschnitt. Auch wer zahlen muss, ist für ihn klar.
Prof. Christian Dreger, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
„Der Schuldenschnitt wird finanziert durch die öffentlichen Gläubiger. Das sind also erstmal die Steuerzahler in der Euro-Zone und in Europa, aber natürlich auch private Gläubiger. Das ist ganz klar. Privater Sektor muss beteiligt werden, andernfalls werden massive Fehlanreize gesetzt. Privater Sektor muss auch gezwungen werden, sich zu beteiligen. Also, eine freiwillige Lösung ist da kein Weg.“
12 Uhr in Brüssel: Vorfahrt der Staats und Regierungschefs. Noch will sich keiner zu den Einzelheiten äußern. 15 Uhr: Die Arbeitssitzung läuft. Erste Details werden bekannt. Bei dem Konjunkturexperten klingeln die Telefone, Kollegen und Medien melden sich.
Prof. Christian Dreger, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
„Wir finden die Lösung ja ziemlich daneben, ne. Es ist auch nicht drin, dass man jetzt private Gläubiger beteiligt. Also, es ist ja nur freiwillig.“
18 Uhr: Eigentlich sollten jetzt die Ergebnisse verkündet werden, doch es wird weiter gerungen. Um 20 Uhr immer noch kein endgültiges Ergebnis, aber das Gerüst des Rettungspakets für Griechenland wird langsam deutlich: Verlängerung der Kreditlaufzeiten, zu niedrigeren Zinsen und nur freiwllige Beteiligung privater Gläubiger, also der Banken und Versicherungen.
Nur freiwillige Beteiligung – reicht das aus?
Prof. Christian Dreger, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
„Den Durchbruch gab es nicht. Der private Sektor, also Banken und Versicherungen ,können sich beteiligen. Banken und Versicherungen können dann ihre Anleihen mit Abschlag an den Notfallfonds verkaufen. Das ist, wenn man so will, eine Umschuldung. Allerdings ist die Umschuldung eher ziemlich gering und läuft eben auch nur auf freiwilliger Basis ab.“
Auch die anderen Punkt des Hilfspakets hält Professor Dreger für unzureichend, um die Krise nachhaltig zu entschärfen.
Prof. Christian Dreger, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
„Das Ergebnis ist eigentlich enttäuschend. Die Umschuldung Griechenlands fällt eigentlich viel zu gering aus. Wir hätten einen drastischeren Schuldenschnitt erwartet, um die Staatsfinanzen Griechenlands wieder auf eine sicherere Grundlage zu stellen. Das andere sind wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen. Da befindet sich im Moment die Wirtschaft ja im Absturz. Und da hätten wir auch erwartet, dass es da konkrete Beschlüsse gegeben hätte.“
Und wenn Griechenland die Kredite nicht zurückzahlen kann, dann wird es teuer für Deutschland.
Autoren: Susanne Katharina Opalka und Detlef Schwarzer
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_21_07/euro_gipfel___was.html