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rbbonline | Königin Luise


Sie war die Mutter des ersten deutschen Kaisers, sie bot Napoleon die Stirn, sie war ebenso schön und beliebt beim Volk wie die österreichische Kaiserin Sisi (so die historisch korrekte Schreibweise). Und sie ging ebenfalls in die Geschichte ein – als Königin Luise. Im Sommer 2010 jährt sich ihr Todestag zum 200. Mal.
Sie fühlte sich als Berlinerin. Hier hat sie geheiratet, hier hat sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht und hier hat das Volk ihr zugejubelt als sie dringend Unterstützung brauchte. Und die Berliner haben die Königin für immer in ihr Herz geschlossen, obwohl Luise eine "Zugezogene" war. Sie kam aus Mecklenburg.
1782, als Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg Strelitz gerade sechs Jahre alt war, verlor sie ihre Mutter. Ihr Vater war mit der Erziehung der Kinder überfordert und behielt nur die Jungen bei sich. Eine ältere Schwester war bereits verheiratet und so kam es, dass Luise und ihre zwei weiteren Schwestern von der Großmutter in Darmstadt erzogen wurden. Es war eine unbeschwerte Zeit, in der Luise kein gesteigertes Interesse an der Schule erkennen ließ. Ein Umstand, den sie später bereuen sollte.
Luise war 17, als sie dem preußischen König Wilhelm II. vorgestellt wurde. Dieser war sofort begeistert von ihrer Schönheit und hoffte, dass einer seiner Söhne sie heiraten könnte. Nur wenig später erfüllte sich sein Wunsch. Sein ältester Sohn und späterer Thronfolger Friedrich Wilhelm sah das Mädchen und er brauchte dann auch nur fünf Tage, um ihr einen Heiratsantrag zu machen.
Eine glückliche Ehe
Zwei Tage vor ihrer Hochzeit unterlief der Braut jedoch ein Fauxpas, der erahnen ließ, wie sich die Umgangsformen der königlichen Familie mit dem Volk ändern würden. Luise wurde bei ihrer Ankunft in Berlin von einem kleinen, ganz in weiß gekleideten Mädchen mit einem Blumenstrauß begrüßt. Gerührt nahm die Braut das Mädchen hoch und küsste es. Ein Verhalten, das bei Hofe schockierte und einer künftigen Königin nicht angemessen war - und sich doch im Laufe der Jahre so oder in ähnlicher Weise dutzendfach wiederholte. Die Berliner liebten sie dafür, genauso, wie später die Österreicher die Kaiserin Sisi oder die Briten ihre Prinzessin Lady Diana lieben sollten.
Luise und Friedrich Wilhelm führten eine glückliche Ehe. Sie bekamen zehn Kinder, von denen sieben überlebten. Auch das war für die damaligen Verhältnisse, besser gesagt für die hygienischen Zustände dieser Zeit, ungewöhnlich. Gern zeigte sich die Großfamilie flanierend "Unter den Linden".
Zwist mit Napoleon
Und recht bald schon übernahm Friedrich Wilhelm III. den Thron. Königin Luise war da gerade 21 Jahre jung. Doch mit dieser neuen Verantwortung reifte auch Luise. Ihre Bildungslücken hatte sie aufgeholt, sie las Bücher, studierte mit etwas mehr Eifer als in der Schule Sprachen und wurde zu einer unersetzlichen Beraterin des Königs. Eines Königs, der ihre Hilfe gern annahm, da Entscheidungskraft nicht seine größte Stärke war.
So kam es, dass Königin Luise eine Schlüsselstellung im Kampf gegen Napoleons Besatzung einnahm. In Napoleon sah sie einen Emporkömmling, der Preußen als Verbündeten gegen Russland gewinnen wollte. Und so überredete die Königin ihren Mann, den Kampf gegen Napoleon aufzunehmen. Der französische Herrscher hatte Luises Einfluss erkannt, verspottete sie als "Amazone" oder prangerte sie als Armida an, "die im Wahnsinn Feuer an den eigenen Palast legt". Napoleon sah in der preußischen Königin "eine Frau mit hübschem Gesicht, aber wenig Geist", unfähig, die Folgen ihrer Handlungen abzuschätzen und vor allem "Urheberin aller Übel".
Luise, die Legende
Nach der Niederlage Preußens musste die Königin mit ihren Kindern nach Ostpreußen flüchten. Eine herbe Niederlage für Luise, die sich nun auch mitverantwortlich für den Tod vieler Soldaten fühlte. Als Bittstellerin suchte sie später in Tilsit (das heutige Kaliningrad) den französischen Kaiser auf, um mildere Friedensbedingungen zu erreichen. Napoleon zeigte sich zwar galanter, als Luise erwartete, doch erreichen konnte sie nichts. Acht Jahre später, als Napoleon längst als Verbannter auf der Insel Sankt Helena lebte, resümierte er: "Die Königin von Preußen war wohlunterrichtet eine geistvolle und kluge Frau."
Luises letzte Lebensjahre waren überschattet von den Folgen dieser Niederlage. Das Königspaar blieb bis Ende 1809 im Exil in Ostpreußen, oft unter demütigenden Bedingungen. Als sie nach drei Jahren endlich wieder in die Heimat durften, wurden sie von den Berlinern herzlich und jubelnd empfangen.
Doch die Strapazen hatten Spuren hinterlassen. Am Morgen des 19. Juli 1810 starb Königin Luise an einer Lungenentzündung in den Armen ihres Mannes. Eine Obduktion ergab, dass sich zudem in ihrem Herzen ein Geschwulst befand und so entstand die Legende, dass Luise unter all den Umständen so gelitten habe, dass sie an einem gebrochenen Herzen gestorben sei. Und auch diese Geschichte trug vermutlich dazu bei, dass Luise die deutsche Königin der Herzen war - und es auch geblieben ist.
Aud Krubert (mit Material von dpa)
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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