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Katastrophale Niederschläge spülten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa riesige Kerben in die Landschaft. Zudem machten immer wieder Sandstürme den Bauern das Leben schwer. Es war die Zeit entblößter Böden.
Holzeinschlag zum Bauen, Heizen, Verhütten und Auffüllen der Staatskassen hatte weite Teile des Landes kahl gemacht. Vor allem Eichen brachten als Schiffbauholz für die englische Flotte gutes Geld. Friedrich II. versuchte, mit einer gezielten Forstwirtschaft der Holznot ein Ende zu setzen. Der Waldbau wurde zum Reichtum unserer Landschaften.
Manuskript:
Eine heute vierhundertjährige Eiche in der Schorfheide. Als Friedrich II 1712 zur Welt kommt, stehen noch zehntausende hier. Doch ihr Niedergang ist absehbar.
Ein schweres Jahrhundert der kleinen Eiszeit liegt bereits hinter ihnen. Und als Friedrich II 1740 den Thron besteigt, fordert ein nicht enden wollender Winter die Bäume zusätzlich heraus. Tiefe Minusgrade über Monate. Ganz Preußen erstarrt. Die frierenden Menschen verheizen Unmengen an Brennholz. Tausende Eichen sterben aber auch den Kältetod. Der Frost lässt die Bäume einfach platzen. Dieser Jahrhundertwinter verschärft dramatisch Preußens anhaltende Holznot. Potsdam und Berlin wachsen, verschlingen seit Jahren immer mehr Eichenwälder. Häuserbau in der Berliner Friedrichstadt. Täglich bringen Flöße aus umliegenden Wäldern Bauholz nach Potsdam. Immer kahler wird es um die Residenzstadt herum. Köhlereien ziehen in der Schorfheide eine Spur der Verwüstung. Eisengießereien nutzen die hohe Brennkraft von Eichenholz.
Ton Prof. Dr. Klaus Höppner:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„Die Wälder waren ausgeplündert. Es gab wenig dickes Holz. Verkrüppelte Buchen und Eichen. Große baumlose Flächen, die Sandschellen, die durch Überweidung entstanden waren, die auch zu Sandverwehungen in den angrenzenden Ackerflächen führten.“
Besonders in der Prignitz entstehen große Binnensanddünen. In Ostpreußen begraben Sandstürme ganze Ortschaften unter sich. Je baumloser, desto heißer sind die Landschaften.
„Ich gestehe, dass Lybien ausgenommen, wenige Staaten sich rühmen können, es uns an Sand gleich zu tun ...“ berichtet Friedrich II seinem Freund Voltaire.
Der Preußenkönig muss handeln. Zur „Verbesserung der Forsten und Heiden“ erläßt Friedrich am 3. Oktober 1754 eines seiner umfassendsten Forstedikte. Um den Holzeinschlag besser zu überwachen, lässt er die Reviere in einzelne Schläge unterteilen. Wie hier in der Schorfheide. Wege werden angelegt für den kontrollierten Holztransport. Die Oberforstmeister müssen für mehr Baumnachwuchs sorgen und das Brennholz auf königlichen und privaten Holzmärkten abliefern. Friedrich macht den Wald zur Chefsache, denn er wird für die Finanzierung seiner Schlesischen Kriege zur wichtigen Einnahmequelle.
O-Ton Prof. Dr. Klaus Höppner:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„Er brauchte Geld. Und ein Verbündeter war England. Und da hat er diese Qualitätseichen aus der Schorfheide verkauft nach England. Und da hat er auch wirklich selber Raubbau an seinen Wäldern betrieben.“
Zehntausende der besten Eichen fallen. Nicht nur in der Schorfheide, auch in den Flussauen entlang der Elbe. Die englischen Seeschlachten brauchen ständig Nachschub. Bis zu dreitausend Eichen für jedes neue Schiff. Das Geld investiert Friedrich in sein Heer. Das „beste Landheer Europas“ soll es werden. Sieben Jahre führt er Krieg. 1763 fällt Schlesien endgültig an Preußen, das zur Großmacht erstarkt.
Doch der Krieg hinterlässt geplünderte Wälder. Und Friedrich braucht Holz. Der Wiederaufbau des Landes wird durch Unwetter erschwert. Kaum bewaldete Hänge rutschen. Das Wasser reißt tiefe Schluchten. Ohne Wälder kann Preußen nicht erblühen. Deshalb richtet Friedrich 1770 ein Forstdepartment ein. Friedrich Wilhelm von der Schulenburg wird erster Forstminister. Gezielt werden neue Wälder begründet. Jeder Bauer hat einen Morgen Waldboden zu pflügen und zwei Scheffel Kienäpfel zu ernten. Eine erste Kiefernsaatverordnung wird auf den Weg gebracht. Friedrich setzt bewußt auf die Kiefer, um schnell an Holz zu gelangen und die sandigen baumlosen Flächen zu bewalden. Und er versucht eine zuverlässige Forstverwaltung zu schaffen.
O-Ton Prof. Dr. Klaus Höppner:
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde
„Und Friedrich hatte ein traditionelles Mißtrauen gegen die Beamten gehabt, also den hatte er nicht viel zugetraut. Auf wen, seiner Auffassung nach Verlass war, waren die Offiziere. Die mussten diszipliniert sein, zuverlässig sein, seine Erlasse umsetzen. Und deshalb sind die Stellen der preußischen Oberforstmeister mit ehemaligen Stabsoffizieren der Armee besetzt worden.“
Sie kommen vor allem aus dem königlichen Feldjägercorps. Ehemals reitende Kriegskuriere und Kundschafter, die Preußens Wälder gut kennen. Johann Gottlieb Gleditsch bildet sie für die Forstaufsicht aus an der 1770 eigens von Friedrich gegründeten Berliner Forstakademie. Wissen soll in die Wälder. Erste Pflanzhilfen für Bäume werden entworfen. Als Friedrich der Große 1786 in Potsdam stirbt, hat er einen Grundstein gelegt für eine beginnende Forstwirtschaft in Preußen. Durch die Förderung der Kiefer hat er unser heutiges Waldbild maßgeblich mit begründet.
Ein Bericht von Maren Schibilsky.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am13/sandstuerme_und_waldmangel.html