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STILBRUCH
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Do 02.02.12 22:15

Ausstellung

Mario Adorf: "...böse kann ich auch"

Seine Präsenz ist umwerfend und seine Charakterrollen sind vielfältig - Mario Adorf. 2009 schenkte er der Akademie der Künste sein persönliches Archiv - und die schenkt ihm jetzt eine große Ausstellung.

Über die letzten Dreharbeiten, den neuen Film und schlechte Drehbücher plaudern sie: Mario Adorf und der Regisseur Volker Schlöndorff. Doch eigentlich geht es nur um ihn: Mario Adorf. Bühne frei für den großartigsten Schurken des deutschen Films.

Sein Leben, das sind seine Filme, sagt er. 240 waren es. Viereinhalb Stunden Filmausschnitte sind nun zu sehen. Aber wie ist das nun so, von Angesicht zu Angesicht mit sich selbst?

Mario Adorf, Schauspieler

"Gefällt mir ganz gut! Manchmal, nicht immer!"


Er scheint es zu genießen. Andere Schauspieler hingegen leiden oft, weil sie nur ihre Fehler sehen.

Mario Adorf

"Man muss halt möglichst wenig Fehler machen."


Die Banditen haben ihn berühmt gemacht, als "Santer" in Winnetou erschießt er - nein nicht Winnetou, aber etwas später im Film Ntscho-Tschi, Winnetous Schwester, was fast noch schlimmer ist.

"böse kann ich auch" so der Titel der Ausstellung. Wie viele Gegenspieler Mario Adorf in all seinen Filmen ins Jenseits oder Unglück gebracht hat, darüber hat selbst er den Überblick verloren. In guten Filmen jedoch, das kann man hier entdecken, hat Mario Adorf allen seinen Rollen etwas Eigenes gegeben.

Mario Adorf
"Ich hab immer geschaut auf das, was dahinter ist, hinter dem Bösen. Wo kommt das Böse her? Was war das vorher? War das böse? Keiner wird böse geboren, würde ich mal sagen. Das Menschliche, das Verständliche - warum er so ist. Auch manchmal das Mitleid. Wenn man an "Nachts, wenn der Teufel kam" denkt - das war kein Bösewicht. Das war ein Massenmörder, aber ein kranker Mensch. Und das hab ich gespielt."

Filmszene "Nachts, wenn der Teufel kam"
Anwalt: "Wieviele denn ungefähr?"
Er: "Ich hab sie nicht jezählt. Stücker 50, 100..."
Anwalt: "Können Sie denn überhaupt zählen?"
Er: "Eins, zwei, drei, vier..."


"Nachts, wenn der Teufel kam" - seine erste Filmrolle, gleich wird Adorf dafür ausgezeichnet. Obwohl sein erster Drehtag fast den Spaß an der Filmerei verdorben hätte. Er lag nur im Sumpf.

Mario Adorf
"Und ich stieg also aus dem Sumpf und wusch mir den Schlamm ein bisschen ab. Und als ich mich umdrehte - es war mein erster Drehtag - war keiner mehr da. Und ich stand allein im Moor von Aibling, nass, müde... und rief dann in den Abend hinein: 'Wo seid ihr denn?' Und sie hatten mich vergessen."


Mario Adorf: ein brillant-charmanter Erzähler, selbstironisch, heiter. Wenn man ihn so hört, besteht sein ganzes Leben aus Pointen. Dabei wuchs er, geboren 1930, allein mit seiner Mutter auf. Der sizilianische Vater war zur Familie nach Italien zurückgekehrt. In der Not lebt er für einige Zeit im Waisenhaus.

Und dieses Kind macht dann eine Filmkarriere, die es um die ganze Welt führt. An den Nordpol, nach Brasilien, Mexiko: immer mit schönen Frauen, immer fotografiert Mario. Erstmals sind diese Fotos nun zu sehen.

Mario Adorf
"Ich habe kein besonderes Interesse am Fotografieren gehabt. Nie! Aber das war einfach, ich hab das gemacht, um sie meiner Mutter zu zeigen."


Gezeichnet hat er auch: Seinen Alfred Matzerath aus der "Blechtrommel" beispielsweise - dem Oscar-prämierten Film von Volker Schlöndorff. Auch im Neuen Deutschen Film spielt Mario Adorf wieder den Fiesling. Für Rainer Werner Fassbinder in "Lola" ist er ein Bauunternehmer und Puffbetreiber. Plötzlich soll der gelernte Theaterschauspieler improvisieren. Das verlangt Fassbinder. Aber es sieht nur improvisiert aus.

Mario Adorf

"Ich erinnere mich, dass ich da heimlich mit der Barbara Suckowa in der Garderobe, da haben wir uns eingeschlossen und haben heimlich probiert. Was Fassbinder gar nicht wollte. Wir wollten es Fassbinder gar nicht sagen, durften es auch gar nicht sagen, aber wenn wir da gespielt haben und es klappte so gut, dann hat er sich wieder gewundert und hat gesagt: ihr seid ja toll, nicht."


Der Fiesling mit Herz - diese Rolle spielt Mario Adorf, im Kino und vor allem in unvergessenen TV-Serien. In den vergangenen Jahren hätte er sich noch die eine oder andere Herausforderung gewünscht - noch mal ein richtig großer Film.

Mario Adorf
"Ich habe immer gesagt, das klingt vielleicht ein bisschen hart, man hat mich nie wirklich gewollt, aber man hat mich gebraucht. Aber das ist doch auch schön: Gebraucht werden, ist doch schön."

Mario Adorf ist einer der größten deutschen Schauspieler. Und er kann ja nicht nur böse!


Autorin: Petra Dorrmann

Dieser Text gibt den Sachstand vom 02.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Ausstellung

"…böse kann ich auch"

02.02.-15.04.2012

Akademie der Künste
Pariser Platz 4
10117 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten:
Di-So 11-20 Uhr

Eintrittspreise:
6 Euro / erm. 4 Euro
bis 18 Jahre und am 1. Sonntag im Monat freier Eintritt frei
[Akademie der Künste]

Mehr Infos

Mario Adorf vor der Akademie der Künste am Pariser Platz (Foto: dpa)

Ausstellung über Mario Adorf

Die Berliner Akademie der Künste zeigt am Potsdamer Platz zahlreiche Fotos, Briefe und Rollenbücher aus dem Archiv des Schauspielers, der zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung selber in die Hauptstadt kam. [Nachrichten]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_02_02/mario_adorf______boese.html

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