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Flughafen BER
Flughafen BER
Himmel über Berlin(Bild:dpa)

Rückblick

Aus Vier wird Einer

Jahrzehntelang hatte Berlin vier Flughäfen in alle Himmelsrichtungen über die Stadt verstreut – Tegel, Tempelhof, Gatow und Schönefeld. Bald wird es nur noch ein einziger am südlichen Berliner Stadtrand sein.

Alle Berliner Flughäfen hatten ihre eigenen An- und Abflugrouten, nicht wenige davon führten in geringen Höhen über besiedelte Gebiete.

Alle Flugrouten waren durch Besatzungsrecht bestimmt, viel militärischer Flugverkehr spielte sich mitten über der Großstadt ab. Maßgeblich geprägt war diese Situation durch den Kalten Krieg, die Versorgungsblockade West-Berlins durch die sowjetische Armee.

Die 1948 eingerichtete Luftbrücke der Westmächte verlangte nach Landebahnen. Tempelhof im US-Sektor allein konnte den Ansturm nicht bewältigen, neue Graspisten wurden angelegt am Flugplatz Gatow (britischer) und in Tegel (französischer Sektor). Sogar auf der Havel und dem Großen Wannsee landeten Flugboote mit Kohle und Mehl für Berlin.

In kürzester Zeit wurden die Flughäfen ausgebaut und es entwickelte sich eine Infrastruktur, die auch nach Ende der Luftbrücke 1949 für Jahrzehnte den Luftverkehr rund um und über Berlin prägte.

Von der Luftbrücke zum Luftverkehr

Anflug auf Tempelhof 1948(Bild:dpa)

Anflug auf Tempelhof 1948 

In der sowjetischen Besatzungszone entstand in Schönefeld auf den 1934 erbauten Werkspisten der Henschel-Flugzeugwerke der Zentralflughafen für die DDR-Hauptstadt.

Weder in Ost noch in West hatte es in dieser Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgerbefragungen zu Flugrouten und Fluglärm gegeben. Besatzungsrecht verfügte nicht über demokratische Instrumente zur Beteiligung der Bevölkerung. Andererseits hatten Flugzeuge am Berliner Himmel auch einen anderen Stellenwert. Vor allem im Westen bedeuteten sie Leben und Hoffnung.

Jahrzehnte später geht es beim Thema Luftfahrt in Berlin um ganz andere Aspekte. Es geht um die Anbindung der deutschen Hauptstadt an interkontinentale Flugverbindungen, um Massentourismus, um Geschäftsflugverkehr, der bis in die Innenstadt drängt, um riesige Luftfrachtmengen für eine Wirtschaft, die ihre Lager abschafft und just in Time arbeitet.

Ringen um den Standort

Nach 1989, mit der deutschen Vereinigung, wurde klar, Berlin muss seinen stetig und rasch anwachsenden Luftverkehr aus der Stadt herausverlagern. 1996 einigten sich die Länderchefs Eberhard Diepgen (CDU), Berlin, und Manfred Stolpe (SPD), Brandenburg, mit Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) darauf, das Projekt mit dem Arbeitstitel „Berlin Brandenburg International“ (BBI) als zentralen Flughafen für die Region anzuschieben.

Die drei alten Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönefeld sollten laut diesem Beschluss nach und nach stillgelegt werden. Bereits 1994 war der Flugbetrieb in Gatow eingestellt worden.

Dem Baubeginn für den neuen BBI-Flughafen am Gelände des Ost-Berliner Airports Schönefeld war ein zähes Ringen um den Standort vorausgegangen. Viele hatten auf das 50 Kilometer von der Berliner Innenstadt entfernte Sperenberg gehofft. Dort gibt es einen ehemaligen sowjetischen Militärflughafen inmitten eines riesigen Truppenübungsplatzes, der schon aus der Kaiserzeit stammt und bis zum Abzug der letzten Nutzer, der sowjetischen Streitkräfte, ununterbrochen in militärischem Betrieb war. Weithin unbewohntes Terrain mit dünn besiedelter Nachbarschaft.

Leider fiel der große planerische Wurf ins Wasser. Berlin und Brandenburg wollten wiederum stadtnah bauen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer ständig wachsenden Millionenstadt, inmitten eines dichten Industrie- und Siedlungs-Speckgürtels, der von Königs Wusterhausen über Mahlow, Teltow bis nach Potsdam reicht.

Aus BBI wird BER

Schild BER(Bild:dpa)

Verkehrsschild BER 

BBI-Baubeginn war am 5. September 2006, bis 2011 sollten erste Flugzeuge hier starten und landen. Nun wird der Airport im Juni 2012 den Betrieb aufnehmen. Auf der größten Baustelle ihrer Art in Europa ist ein moderner Flughafen mit Eisenbahn- und Autobahnanschluss entstanden, der über Modulsysteme erweitert werden kann. Die beiden parallelen Runways sind mit 1.900 Meter Abstand weit genug von einander entfernt um einen unabhängigen Flugbetrieb auf beiden Pisten zu gestatten, zwei Flugplätze in einem. Zunächst auf 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt, kann die Kapazität den Planern zufolge langfristig auf bis zu 50 Millionen Reisende erweitert werden.

Der Ausbau ist in der Region umstritten. Gegner kritisieren etwa, dass nach einem 25 Millionen Euro teurem Raumordnungsverfahren die Variante eines Neubaus in Schönefeld auf dem letzten Platz gelandet sei und trotzdem den Zuschlag bekommen habe. Anwohner beklagen den zukünftigen Lärmpegel bei Tag und bei Nacht. Hinzu kommen Umweltbelastungen sowie die Umsiedlung der Gemeinden Diepensee und Selchow, die auf dem Territorium des neuen Rollfeldes lagen. Insgesamt mussten etwa 370 Menschen umziehen. 4.000 Anwohner klagten 2006 vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht gegen den Flughafenbau, jedoch ohne Erfolg.

Der Arbeitstitel BBI für das Projekt musste übrigens 2011 aufgegeben werden. Es stellte sich heraus, dass das Kürzel bereits als IATA-Code für den indischen Flughafen Bhubaneswar vergeben war. BER ist das neue internationale Flughafenkürzel geworden. TXL (Tegel), SXF (Schönefeld), THF (Tempelhof) und GWW (Gatow) gehören dann endgültig der Vergangenheit an.

Ein Beitrag von Ullrich Nicklisch.

Stand vom 16.02.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 16.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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